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Das Rebhuhn mit der Fliegenklatsche

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Das Rebhuhn mit der Fliegenklatsche

Das Rebhuhn mit der Fliegenklatsche

Ich habe meinem Rebhuhn eine Klatsche geschenkt. So eine rote mit Holzstiel. Hätte ich das mal nur nicht gemacht.

Es nervt.
Ich bin am Kochen, da klatscht es mir gegen die Beine. Ich bin auf der Toilette, da klatscht es gegen die Spülung. Ich bin am Rasen mähen, da klatscht es in die Wiese vor mir und ich muss ausweichen.

Ich hab das Rebhuhn mit diesem Geschenk wirklich glücklich gemacht, aber mich selber unglücklich.
Es half nichts, ich musste das Ganze mal ansprechen.

„Du Großmeister“, sagte ich – so hatte ich mein Rebhuhn dummerweise damals genannt. „Es freut mich ja sehr, dass dir mein Geschenk gefällt. Ich hab nur das Problem–“

„Ist es die Farbe der Klatsche?“, fragte das Rebhuhn „Aber die hast du dir doch ausgesucht?“
„Nein“, sagte ich „es ist nicht die Farbe.“
„Dann ist es der Holzstiel.“, stellte das Rebhuhn fest „Er ist zu unflexibel im Vergleich zu den Plastikstielen, die es da draußen auf dem Markt gibt. Manchmal habe ich Angst er zerbricht. Ich liebe Plastik.“

„Ich auch, Großmeister“, versuchte ich überzuleiten.
„Moment mal. Ich nerv dich doch nicht etwa?“ Mein Rebhuhn sah mich mit großen Rebhuhnaugen an und hatte Tränen in den Augen. Seine Unterlippe bebte. „Sag mir, ist es das? Bitte sag mir, dass es nicht das ist!“

Ich atmete ein und aus. „Nein das ist es nicht“, sagte ich und seufzte. „Aber versetz dich doch mal in meine Lage–“
„Gute Idee“, sagte das Rebhuhn und sprang auf meinen Lieblingssessel. „Ich bin jetzt du.“ Es schwang die Beine übereinander.

„Mensch!“, rief das Rebhuhn zu mir „Warum wird hier nicht geklatscht?“
Ich seufzte erneut. Dann schnappte ich mir die Fliegenklatsche und haute auf den Boden.

„Warum klatscht es nicht am Fenster?“, fragte das Rebhuhn laut.
Ich hoffe sehr, dass es nach dem Zustand des Klatschens fragte und nicht dazu übergegangen war, mich als ‚es‘ zu bezeichnen.

Ich klatschte ans Fenster.
So ging das nicht weiter. Ich musste meinem Rebhuhn zeigen, dass Klatschen nerven kann. Also kam ich seinen Wünschen zuvor: Ich klatsche auf die Tischdecke, klatschte gegen das Stuhlbein, gab dem Rebhuhn regelmäßige Ohrfeigenklatscher und lief klatschend in die Speisekammer.

„Ich hör gar nichts mehr!“, rief das Rebhuhn aus der Ferne.
Ich konnte das Rebhuhn noch sehr gut durch die Tür hören, sagte aber nichts mehr. Also musste es zu mir kommen. Kaum kam es durch die Tür gewatschelt, haute ich mit der Klatsche kräftig zu.

Das Rebhuhn sank zu Boden. Der Holzstiel zerbrach.
„Ich hab dir gesagt, der Holzstiel ist scheiße!“, sagte das Rebhuhn.
„Ich weiß“, sagte ich „ich weiß!“ Im übrigen bin ich der Meinung, dass Wikipedia einen schönen Artikel über Rebhühner geschrieben hat!

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