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Der Rabe backt am Kabel

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Der Rabe backt am Kabel

Der Rabe backt am Kabel

Ich wollte fernsehen, doch es kam nur Rauschen. Da ging ich nach draußen und sah einen Raben, wie er an der Fernsehleitung pickte.

Ich wollte ihn nicht einfach wegscheuchen. Darum fragte ich erst mal höflich: „Guten Tag, was machen Sie da?“
Da sagte der Rabe: „Ich backe einen Kuchen.“

Na toll. Mit so einem habe ich es also zu tun. Jemandem, der es witzig findet das Offensichtliche zu leugnen. So etwas finde ich ja auch lustig, nur war ich jetzt der Leidtragende.
Ich probierte seine offensichtlichen Lüge zu entlarven, indem ich drauf einging: „Einen Kuchen also. Da müssen Sie aber aufpassen, dass das Fernsehen aus der offenen Leitung nicht in den Kuchen gerät!“

„Was hälst du denn von mir?“, fragte der Rabe. „Das wird ein Fernsehkuchen!“
Oh, vielleicht habe ich ihn falsch eingeschätzt. Scheinbar backt er wirklich einen Kuchen. Aber was ist ein Fernsehkuchen?

„Was ist ein Fernsehkuchen?“, fragte ich ihn.
„Das ist ein Kuchen, der beim Essen nicht nur schmeckt, sondern auch fernsehen in deinem Innern möglich macht.“

„Das klingt interessant“, sagte ich. „Kann ich helfen?“
„Klar“, sagt der Rabe „du musst einfach hier auf das Kabel mit deinem Schnabel hacken.“
„Ich hab keinen Schnabel“, sagte ich.
„Dann nimm halt deinen Mund!“

Also hackte ich neben dem Vogel auf das Kabel ein und nach ca. 24 Minuten stand ein Kuchen vor uns.

„Iss ruhig“, sagte der Rabe zu mir. Ich nahm mir ein Stück und biss hinein.

Da tat sich in mir ein Universum auf, bestehend aus an allen Fernsehkanälen und Sendungen, die es gab. Ich hatte nicht gewusst, dass es so viele Programme gibt. Es waren ein paar Millionen. Und ich sah alles gleichzeitig. Ich weinte, lachte, freute mich und trauerte, war verzweifelt und genervt, zutiefst verstört, verblödete und wurde schlauer zugleich.

Als ich den Bissen hinunterschluckte war alles vorbei.
Ich hätte schwören können, dass Jahrzehnte vergangen waren, doch der Rabe versicherte mir, dass das nur 8 Sekunden gewesen sind.
Ich wusste nicht, was ich fühlen sollte. Ich wusste nur eins: Es ist zu viel, das gleich noch einmal zu machen. So schrecklich und schön es auch zugleich war, es überforderte mich. Und ich musste mich erst mal erholen.

Da knurrte mein Magen und ich verspürte Hunger.
Ich blickte auf den Kuchen. Verdammt!

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ArneFAQA-Z