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Des Krokodil sein Kuscheltier

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Des Krokodil sein Kuscheltier

Des Krokodil sein Kuscheltier

Ich hab mir ein Krokodil gekauft. Ich war im Touristenshop des Zoos und wollte eigentlich nur ein Kuscheltier von einem Krokodil kaufen. Aber die waren alle ausverkauft. Da sagte die nette Frau hinter dem Tresen zu mir: „Wollen sie vielleicht Friedbert kaufen?“

„Wer ist Friedbert?“, fragte ich.
„Friedbert ist ein richtiges Krokodil. Wir wollen es aber schon länger loswerden, weil es Menschen frisst und beißt!“
„Ist es denn teurer, als das Kuscheltier, was ich eigentlich wollte?“
„Nö“, sagte die Verkäuferin.
„Dann nehm ich´s!“, sagte ich.

Glücklich ging ich mit Friedbert aus dem Zoo.
„Eigentlich würd ich dich ja, an die Leine nehmen“, sagte ich zu ihm, aber ich hab noch keine Leine. Darum bleib schön neben mir.“

Friedbert blieb schön neben mir. Überhaupt war er völlig brav und ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, warum der Zoo ihn loswerden wollte. Aber ich beschwerte mich auch nicht, denn ich hatte ihn jetzt schon lieb gewonnen und wollte ihn nie wieder loswerden.

Wir kamen an einem ‚Leinen und Gürtel’-Geschäft vorbei und gingen rein. Ich suchte nach einer Leine für Friedbert und er stöberte ein bisschen hier und da.

Ich entschied mich für ein rotes Band. Das war eine schöne Komplementärfarbe zu Friedbergs Schuppenfarbe. Friedberg selbst war vor einem Kuscheltierregal stehengeblieben. Ich fragte mich erst, warum in einem ‚Leinen und Gürtel‘-Geschäft auch Kuscheltiere verkauft wurde, da erkannte ich, dass es kleine Gürteltiere waren. Gürtel. Welch Meisterleistung von einem Wortwitz.

„Komm Friedbert, wir gehen zur Kasse!“
Doch Friedbert blieb immer noch vor den Gürteltieren stehen und seine Augen glänzten, wie die eines Kindes an Weihnachten. „Ich will das!“, sagte er.

„Wie bitte?“, fragte ich. Ich musste mich verhört haben. Welches Krokodil kann denn bitteschön sprechen?
„Ich will das da!“, sagte Friedbert noch einmal. Also doch! Ich spielte den Coolen und überging die Tatsache seiner Kommunikationsgabe vollkommen.

„Wir nehmen jetzt erst mal die Leine“, sagte ich „Ich hab nur zwanzig Euro dabei und die reichen nur für eins von beidem!“
Friedberg funkelte mich böse an.
„Komm jetzt“, sagte ich freundlich. „Der Verkäufer macht für uns bestimmt keine Ausnahme.“

Da funkelte Friedbert den Verkäufer böse an. Und – happs, hatte er den Verkäufer aufgefressen.

Die Zoodame hatte also recht behalten. Aber wenn schon.
Ich gab Friedbert das Kuscheltier und entschied mich die Leine doch nicht zu kaufen.
Wir zahlten nicht. Es gab ja auch keinen Verkäufer mehr.

Angst mit Friedbert zu leben hatte ich nicht. Ich wusste ja, wie ich mit ihm umgehen musste, dass andere die Angst hatten. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Wikipedia einen schönen Artikel über Gürteltiere geschrieben hat!

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