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Der maulende Hut vom Ladenhüter

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Der maulende Hut des Ladenhüters

Der maulende Hut vom Ladenhüter

Ich ging samstags immer einkaufen. Der Laden war keine 15 Minuten von meiner Wohnung entfernt und verkaufte Gemüse und Bücher. Während die Bücher immer gut weggingen, blieb das Gemüse meist zurück.
Es ‚hütete den Laden‘ sozusagen. Ein Ladenhüter. Dabei ist es doch eigentlich etwas traurig: Bücher werden nicht schlecht, wenn man sie nicht verkauft, Gemüse schon. Ich ging also jeden Samstag in den Laden, um ein Buch zu kaufen und kehrte immer mit einer Papiertüte gefüllt mit Gemüse zurück.

Ungekauftes Gemüse tat mir immer leid. So war es auch diesmal. Ich frage den Ladenbesitzer: „Hey Karl, was gibt es neues zu lesen!“
„Wir haben den achten ‚Cranberry-Curton‘-Roman gerade reinbekommen!“

‚Cranberry-Curton‘ war meine Lieblingsreihe von Detektivgeschichten. Ich wollte das Buch gerade mitnehmen, da schaute mich die traurige Gurke hinter dem Buchstapel an. Sie sprach mich nicht an, trug aber einen Hut. Ich sah ihr in die Augen und schon war es um mich geschehen.

Ich kaufte sie und setzte sie bei mir zu Hause auf die Fensterbank. Sie sah mir zu, wie ich eine Kerze anzündete. „Guck“, sagte ich zu ihr „das ist eine Kerze!“
Die Gurke sagte nichts.
„Ist es dir peinlich, mir beim Kerzenanzünden zuzugucken?“, fragte ich.
Die Gurke sagte nichts.
„Hm“, überlegte ich „vielleicht inspiriert dich etwas anderes. Was hältst du von Häkeln?“
Ich hielt ihr das rosa Häkelzeug vor die Augen, aber die Gurke sagte immer noch nichts.

Da häkelte ich der Gurke einen Hut und setzte ihn ihr auf.
„Ich hasse rosa!“, sagte da die Gurke.
„Du kannst ja doch sprechen!“, freute ich mich.
„Und du kannst nicht gut häkeln!“, sagte die Gurke.

Da nähte ich der Gurke den Mund zu. Die Gurke sagte nichts.
Wobei… Wahrscheinlich sagte sie etwas, aber man konnte es eben nicht mehr hören.

Es geschah, dass ich mir in dieser Woche noch einige weitere Gemüsesorten zulegte. Alle setze ich auf das Fensterbrett und alle, die frech wurden, endete mit einem zugehäkelten Mund.

„Wisst ihr was?“, sagte ich dann zu Ihnen „Heute lesen wir gemeinsam das erste Abenteuer von Cranberry-Curton!“
Das erste Buch der Reihe hatte ich noch zu Hause stehen. Ein paar der Gemüsesorten murrten. Ich häkelte auch Ihnen den Mund zu.

Dann begann ich laut zu lesen.

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ArneFAQA-Z