Arne Banane
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Der äußerst höfliche Kofferräuber

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Der äußerst höfliche Kofferräuber

Der äußerst höfliche Kofferräuber

Ich bin ein Räuber und klaue Koffer. Manche sagen ich bin zu höflich. Zum Beispiel letzte Woche.

Ich wartete bei der Gepäckrückgabe, bis eine Frau ihren Koffer abholte und sprach sie an.
„Hallo“, sagte ich.
„Hallo“, sagte sie. So beginnen meistens meine Gespräche. „Ich bin Kofferräuber, klaue gerne Koffer, was der Name bestimmt schon vermuten lässt, würde gerne auch Ihren Koffer klauen und wollte sie fragen, ob das in Ordnung ist.“
Sie lächelte mich freundlich an und ich hatte schon Hoffnung, dass sie ja sagen würde, aber dann schüttelte sie den Kopf. „Tut mir Leid. Ich brauch den noch. Aber“, sagte sie und strich sich das Haar aus dem Gesicht „Wir könnten einen Kaffee trinken, wenn sie wollen!“
„Ich will nur Koffer!“, sagte ich und reichte ihr dankend die Hand zum Abschied.
„Sie sind zu höflich“, sagte sie. Also versuchte ich gemeiner zu sein.

„Du da! Den Koffer! Bitte!“ Ich hatte den wildfremden Mann, den ich ansprach geduzt und nicht gegrüßt. Verwundert reichte er mir den Koffer vom Gepäckband.
Es hatte geklappt.

„Wollen wir vielleicht einen Kaffee trinken?“, fragte ich ihn.
„Warum?“, fragte der Mann.
„Ich weiß nicht“, sagte ich „aber das wurde ich auch gerade gefragt. Und jetzt, wo ich habe, was ich wollte, bin ich bereit für etwas Neues!“

Der Mann lud mich sogar ein.
Wir setzten uns in ein Café und er erzählte mir, dass er früher mal Postbote war, inzwischen aber einen Bürojob in irgendeiner wichtigen Firma habe, obwohl der Job selber wohl nicht so wichtig sei.
Ich erzählte ihm dass ich Kofferräuber sei und jetzt zum ersten Mal einen Koffer erfolgreich geklaut hatte. Ich deutete, auf das Gepäckstück neben mir.

„Herzlichen Glückwunsch“, sagte der Mann zu mir.
„Danke“, sagte ich. Dann hielt ich Inne „Stört es dich denn gar nicht, dass ich jetzt deinen Koffer besitze?“
„Der Koffer?“, fragte der Mann „der gehört doch gar nicht mir.“
„Aber du hast ihn mir gegeben?“, sagte ich.
„Weil du mich darum gebeten haben!“, sagte er „Ich konnte dir doch keine Bitte abschlagen.“

Ich war geknickt. Was dachte nun nur die Person, dessen Koffer ich dabei hatte?
„Mach ihn doch einfach auf, wenn es dir so wichtig ist. Vielleicht kannst du ihn zurückbringen!“, sagte der Mann.

Gute Idee.
„Ich heiße übrigens Karl“, sagte der Mann.
„Gute Idee, Karl“, sagte ich zu Karl. Dann öffnete ich den Koffer.

„Du, Karl“, sagte ich „In diesem Koffer ist eine Bombe drin!“
„Das machts auch nicht leichter“, sagte Karl „die könnte praktisch jedem gehören.“ Im übrigen bin ich der Meinung, dass Wikipedia einen schönen Artikel über Gepäckförderanlage geschrieben hat!

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