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Der Werlöwe

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Der Werlöwe

Der Werlöwe

Es gibt nicht nur Werwölfe, sondern auch Wermenschen, Werzebras, Werfische und Werlöwen. Eigentlich kann so ziemlich alles, was lebt auch ein ‚Wer‘-Tier sein, was heißt, dass diese Tiere bei Vollmond Fell und Zähne kriegen und ihresgleichen jagen.

Erkennen kann man solche Tiere nur auf zwei Arten. Entweder du siehst, wie sie sich bei Vollmond vor deinen Augen verwandeln. Oder sie sagen es dir.

Ich hab neulich im Zoo einen Löwen getroffen, der gehörte zu letzterer Sorte.
„Ich bin kein gewöhnlicher Löwe“, sagte er mir „Ich bin ein Werlöwe!“
„Aha“, sagte ich und glaubte ihm kein Wort.
„Doch-doch, wirklich“, sagte er „Bei jedem Vollmond werde ich richtig gefährlich!“
„Richtig gefährlich?“, fragte ich und deutete auf das Schild vor seinem Gehege „Und warum lebst du dann hier im Streichelzoo?“

„Was? Streichelzoo?“ Im nu war der Löwe vor das Schild gehopst und brauchte ein paar Minuten den Schriftzug wieder und wieder zu lesen. „Das gibt´s nicht. Das gibt es einfach nicht! Hier haben die mich untergebracht!“
Der Löwe sah meinen Blick, der so viel sagte, wie ‚Ich habs dir doch gesagt!‘
„Ich bin gefährlich!“, rief er und machte eine Fauchbewegung mit einer Pfote in der Luft. Niedlich.

„Dann warten wir einfach auf Vollmond“, sagte ich zum Löwen.
„Ja“, sagte er begeistert „Dann warten wir einfach auf Vollmond.“
Wir setzten uns Rücken an Rücken und warteten.
Es dauerte Tage. Der Löwe sagte immer wieder kurze Sätze wie „Du wirst schon sehen.“ und „Gefährlich“. Doch mich belustigte seine Art eher.

Schließlich wurde es Nacht und der Vollmond ging auf.
Der Löwe hatte nicht gelogen, ihm wuchs schwarzes Fell und seine Vorderzähne wurden länger. Doch ich muss auch gestehen: Ich hab noch nie einen so niedlichen Werlöwen gesehen.

„Gefährlich. Gefährlich. Gefährlich!“, rief er und rannte zwischen mir und dem Zaun hin und her.
„Ich hab Angst“, sagte ich, eigentlich nur dem Löwen zu Liebe.
„Wiiiiirklich?“, fragte er und schaute mich mit großen Augen an.
„Ja wirklich“, sagte ich und kraulte ihn am Kopf.
Er schnurrte.

„Dann hast du bestimmt Angst, dass ich dich jetzt beiße“, rief er.
„Ja“, sagte ich „Genau davor hab ich Angst. Und das ist auch der Grund warum ich jetzt das Weite suche und lieber nach hause gehe.“
„Aber du kannst mich doch nicht einfach zurücklassen!“, rief der Werlöwe „Darf ich mit dir kommen!“

Ich schaute nach links, ob ein Wärter da war. Dann schaute ich rechts. „Na gut“, sagte ich „aber nur, wenn du mir versprichst mir keine Angst zu machen. Sonst kann ich nachts nämlich nicht schlafen!“
„Uuh, da muss ich mich aber zusammenreißen“, rief der Werlöwe „Aber das krieg ich hin!“ und er tapste voller Selbstbewusstsein strotzend voraus.

Ich schmunzelte. Dann folgte ich ihm. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Wikipedia einen schönen Artikel über den Vollmond geschrieben hat!

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