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Der brave Fön

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Der brave Fön

Der brave Fön

Ich hab mir einen Fön gekauft. Ich besitze zwar eine Glatze und der Fön war mit 2300€ total überteuert. Aber der Name war unschlagbar: ‚Wilder Fön 200’

Wer antwortet auf die Frage „Habt ihr einen Fön zuhause?“ nicht auch gerne mit „In meiner Schublade liegt der Wilde Fön 200!“
Dazu kam, dass der Fön in schwarz-rot auch noch aufgedruckte Flammen auf der Seite hatte. Vielleicht war das auch der eigentliche Grund, warum ich mir den Fön zugelegt hatte.

Mein Problem war, dass mich zwar viele Leute besuchen kamen, aber keiner fragte nach einem Fön. Somit konnte ich auch nicht mit meinem tollen Fön angeben.

Ich holte den Fön aus der Schublade, dachte an den teuren Preis und betrachtete ihn eine Weile. „Vielleicht warst du ein Fehlkauf?“

„Ein Fehlkauf?“, fragte mich der Fön.
Vor Schreck hätte ich ihn fast fallen gelassen. Er hatte zu mir gesprochen.
„War ich für dich ein Fehlkauf?“, fragte mich der Fön noch einmal und ich hörte das Wimmern in seiner Stimme.

„Nein-nein“, versuchte ich ihn zu beruhigen „Natürlich nicht. Ich habe nur gehofft, dass ich dich Leuten zeigen kann, die dich wirklich brauchen!“
„Und mich brauchst du nicht?“, fragte mich der Fön und ich hörte wieder das Wimmern des Föns, der mein Herz zum Zittern brachte.
„Nein“, sagte ich „Natürlich brauch ich dich, aber siehst du denn nicht, wie wenig Haare ich habe? Andere Menschen müssen sich föhnen. Ich nicht.“
„Du reduzierst mich also auf meine Fönfunktion!“, stellte der Fön fest und fing an zu heulen.

„Tu ich nicht. Tu ich ganz bestimmt nicht!“, sagte ich zum Fön und wiegte ihn beruhigend in meinen Armen, wie ein kleines Kind. Die Tatsache, dass es sich aber statt eines Kindes um einen Fön handelte, machte das ganze etwas seltsam.
Doch ich wollte nicht, dass er weinte.

„Ich mach dir einen Tee“, sagte ich zum Fön. „Ich hab zwar noch kalten von gestern da, doch den trinke ich. Dir mach ich einen neuen, welchen Tee magst du denn am liebsten?“
„Ich kann deinen Tee aufwärmen“, sagte der Fön und föhnte.
„Das ist ja praktisch“, sagte ich und korrigierte mich gleich „Also ich möchte dich gar nicht nur auf diese Eigenschaft reduzieren. Aber das finde ich faszinierend!“
Der Fön lächelte.

Wir tranken etwas Tee und ich lernte den Fön immer mehr kennen.
Er war sensibel und überhaupt nicht wild.
Aber das Beste, was mir im Leben passier ist. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Wikipedia einen schönen Artikel über Heizlüfter geschrieben hat!

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